Kämpferin für faire Medien

Seit 2014 kämpft Jolanda Spiess-Hegglin gegen persönlichkeitsverletzende Medienberichte. Sechs Jahre später hören einige Medien noch immer nicht auf.
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Was Jolanda Spiess-Hegglin erlebt hat, ist eine der übelsten Medienkampagne, die die Schweiz je gesehen hat (zur Chronologie der Ereignisse). Alles begann am 24. Dezember 2014 mit einem Artikel im «Blick» über ein mutmassliches Sexualdelikt. Die vereinte Schweizer Medienlandschaft breitete den Fall in den darauf folgenden Monaten und Jahren in allen erdenklichen Details aus – bis hin zu Spekulationen um Sexualpraktiken und den Alkoholkonsum der Betroffenen. Das war ungerechtfertigt, denn es geht die Öffentlichkeit bis heute nichts an, was damals nach dieser offiziellen Feier zwischen den Beteiligten geschah – das erklärte das Zuger Obergericht erst kürzlich erneut in aller Deutlichkeit. Was in der Nacht nach dem fraglichen Abend, der Landammannfeier der Zuger Regierung, geschah, war indes Gegenstand von zahlreichen Gerichtsverfahren und ist bis heute ungeklärt.

Der Kampf geht weiter

Man möchte meinen, nach der rechtskräftigen Verurteilung der «Weltwoche» und des «Blick» wäre der Fall abgeschlossen. Doch das ist nicht so. Einige Journalist*innen machen munter weiter. Die «Tages-Anzeiger»-Journalistin Michèle Binswanger will offenbar die Details aus der «Skandalnacht» – so beschreibt sie die Geschehnisse um das mutmassliche Sexualdelikt – in einem Buch veröffentlichen. Jolanda Spiess-Hegglin hat sich gegen die Buchpublikation erfolgreich gewehrt. Das Verbot, über ein mutmassliches Sexualdelikt von 2014 zu spekulieren, ficht Tamedia jedoch an – was für Jolanda Spiess-Hegglin erneut mit einem grossen Aufwand verbunden ist. Der Kampf gegen persönlichkeitsverletzende Medienberichte ist enorm teuer und sie erhielt bisher nur einen Bruchteil ihrer Prozesskosten zurück. Deswegen ist Jolanda Spiess-Hegglin weiterhin auf Hilfe angewiesen.

Noch keinen Prozess verloren

Für «Blick», «Weltwoche» und Co. ist es eines von vielen Verfahren, bei dem sie einige Tausend Franken verlieren – für Jolanda Spiess-Hegglin ist es eine Existenzfrage, ob sie Recht erhält und ihre verlorene Ehre ein Stück weit rehabilitieren kann. Sie geht deshalb trotz allen Widerständen und Vergleichsversuchen durch alle Instanzen, was ein enormer finanzieller Aufwand bedeutet. Die grossen Verlage zahlen die Verfahren praktisch aus der Portokasse, Jolanda Spiess-Hegglin kommt mit ihrem ganzen Vermögen dafür auf.

Ihr Aufwand hat sich gelohnt: Sie hat gegen drei Verlage durch mehrere Instanzen geklagt – und dabei noch keinen Gerichtsprozess verloren! Dazu hat sie über 100 Privatpersonen wegen Ehrverletzungen und Drohungen angezeigt. Die allermeisten davon wurden verurteilt oder entschuldigten sich bei ihr. Viele gaben an, dass sie sich durch die Medienberichterstattung ein falsches Bild von ihr gemacht hätten.

Weltwoche (2015–2019)

  • Berichterstattung, Sept. 2015
  • Verurteilt in erster Instanz, Mai 2017
  • … in zweiter Instanz, Juni 2019 

Genugtuung: 2500 Franken

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Ringier (2014–)

  • Berichterstattung, Dez. 2014
  • Verurteilt in erster Instanz, Mai 2019
  • … in zweiter Instanz, August 2020

Genugtuung: 10’000 Franken

Klage auf Gewinnherausgabe, August 2020

Tamedia (2020–)

  • Ankündigung Buchprojekt, Febr. 2020
  • Superprovisorische Verfügung, Mai 2020
  • Gericht bestätigt Verfügung, August 2020

Tamedia zieht Urteil weiter.

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Chronologie eines Medienskandals

Dezember 2014

«Blick» macht mutmassliches Sexualdelikt publik

Am 24. Dezember 2014 erscheint auf der «Blick»-Frontseite die Headline: «Hat er sie geschändet?» Flankiert von den Bildern und Namen von M. H., damals SVP-Kantonsrat, und Jolanda Spiess-Hegglin, ehemalige grüne Kantonsrätin. Es ist der Startschuss einer medialen Hetzjagd.

2015

Die hässliche Seite des Boulevards

2015 taucht ihr Name in über 600 Artikeln in Schweizer Medien auf. Drei der verletzendsten erscheinen im «Blick» und «Blick am Abend»:

  • «Jolanda ‹Heggli› zeigt ihr ‹Weggli›»
  • «Ich öffnete die Tür und sah Kleider am Boden»
  • «Zuger Sex-Skandal: Die sechs Männer um Jolanda Spiess-Hegglin»
Frühjahr 2015

Weitere Medien verletzen Intimsphäre

Nicht nur der «Blick» treibt die Kampagne voran. Zum Beispiel auch im «Tages-Anzeiger» ist von einem «Techtelmechtel» und «Quickie» die Rede. Die «Tages-Anzeiger»-Journalistin Michèle Binswanger kommentiert zudem: «Jolanda Spiess-Hegglin schadet der Sache der Frauen».

September 2015

«Weltwoche» publiziert Zeugenprotokolle

Der «Weltwoche» werden vertrauliche Gerichtsakten mit intimen Details zugespielt. Der Vize-Chefredaktor Philipp Gut veröffentlicht in einem Artikel Auszüge aus Zeugenprotokollen und unterstellt Jolanda Spiess-Hegglin, ein Sexualdelitk erfunden zu haben, um ihre Ehre zu retten. Daraufhin fordern einige Politiker*innen Spiess-Hegglin zum Rücktritt auf.

Dezember 2015

Rückritt aus der Grünen Partei

Jolanda Spiess-Hegglin wird vom Parteivorstand der Grünen vor die Wahl gestellt: Schweigen und Gras drüber wachsen lassen oder gehen. Spiess-Hegglin verlässt die Partei, bleibt aber noch ein Jahr im Zuger Kantonsrat.

September 2016

Presserat rügt «Blick»

In seinem Entscheid erklärt der Presserat, der «Blick» habe die Privat- und Intimsphäre von Jolanda Spiess-Hegglin verletzt. Eine identifizierende Berichterstattung hätte nie stattfinden dürfen. Der «Blick» publiziert das Urteil nicht.

Dezember 2016

Rücktritt aus Kantonsparlament

In der Zuger Politlandschaft zum Sündenbock gestempelt und von der eigenen Partei fallengelassen, ist eine Fortsetzung ihres politischen Mandats ohne jede Perspektive. Jolanda Spiess-Hegglin tritt als Kantonsrätin zurück.

Mai 2017

«Weltwoche»-Autor in erster Instanz verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich verurteilt Philipp Gut wegen übler Nachrede. Es geht um den Artikel mit den vertraulichen Untersuchungsakten. Die «Weltwoche» zieht das Urteil weiter.

Mai 2017

«Zuger Zeitung» entschuldigt sich

Nach dem Urteil gegen «Weltwoche»-Gut schreibt die «Zuger Zeitung», die CH Media gehört (damals AZ Medien): «Auch dieser Zeitung sind Fehler unterlaufen. Dafür möchten wir uns entschuldigen.»

Juli 2017

Ehemann Reto Spiess spricht erstmals

Ihr Ehemann, Reto Spiess, gibt ein Interview bei «Watson». Es ist ein Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Fall Spiess-Hegglin wird zu einem Skandal, bei dem die Medien versagt gaben.

April 2018

«Süddeutsche» gibt Aussensicht

Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt einen kritischen Hintergrundtext zum Medienversagen im Fall Spiess-Hegglin. Nun herrscht auch in der Schweiz Konsens: Was 2014 geschrieben wurde, war falsch.

Mai 2019

Erstes Urteil gegen «Blick»

Das Zuger Kantonsgericht verurteilt den «Blick» wegen «schwerer Persönlichkeitsverletzung» und «krassem Eingriff in die Intimsphäre». Es war falsch, im Ursprungsartikel «Hat er sie geschändet?» die Namen und Bilder der Betroffenen zu veröffentlichen. Ringier zieht das Urteil weiter.

Juli 2019

Fairmedia sammelt Geld für Weiterzug

Als klar ist, dass Ringier das Urteil nicht akzeptiert, lanciert Fairmedia ein Crowdfunding. Innert Kürze kommen über 60’000 Franken zusammen. Damit ist es für Jolanda Spiess-Hegglin möglich, weiter zu prozessieren.

August 2020

«Weltwoche» verliert zum zweiten Mal

Nachdem Philipp Gut auch in zweiter Instanz verlor, akzeptiert die «Weltwoche» das Urteil und muss Jolanda Spiess-Hegglin 2500 Franken Genugtuung plus einen kleinen Teil an ihre Anwaltskosten bezahlen – drei Viertel der Kosten muss sie selbst tragen.

Mai 2020

Superprovisorische Verfügung gegen Buchprojekt

Die «Tages-Anzeiger»-Journalistin Michèle Binswanger will in einem Buch über Jolanda Spiess-Hegglin und die Geschehnisse von 2014 spekulieren. Spiess-Hegglin kann das mithilfe einer superprovisorischen Verfügung verhindern.

August 2020

«Blick» entschuldigt sich

Auf der Frontseite des Blick steht: «Entschuldigung, Jolanda Spiess-Hegglin». Es ist der Schlusspunkt der «Blick»-Kampagne – Auslöser dafür war das Urteil des Zuger Obergerichts, das Jolanda Spiess-Hegglin in zweiter Instanz recht gab. Der «Blick» hatte ihre Intimsphäre «in schwerwiegender Weise» verletzt.

August 2020

Spiess-Hegglin reicht Klage um Gewinnherausgabe ein

Im Fall Ringier geht es jetzt um viel Geld – insgesamt über eine Million Franken. Jolanda Spiess-Hegglin reicht eine Klage um Gewinnherausgabe ein. Ringier soll ihr den Gewinn auszahlen, der mit den persönlichkeitsverletzenden Artikeln gemacht wurde. Der Gerichtsprozess läuft aktuell.

September 2020

Angriffe von Tamedia-Journalisten

Die «SonntagsZeitung» schreibt eine Geschichte über die Geschehnisse der Zuger Landammanfeier 2014 und wärmt alte Spekulationen wieder auf. Ausserdem wettert der Chefredaktor von Tamedia, Arthur Rutishauser, gegen die Verfügung des Gerichts («Zensur» und «Angriff auf die Pressefreiheit»).

August 2020

Tamedia zieht Urteil zu Buchprojekt weiter

Jolanda Spiess-Hegglin hat im Mai 2020 eine superprovisorische Verfügung gegen die Veröffentlichung eines spekulativen Buchs über sie erwirkt. Tamedia und die «Tages-Anzeiger»-Journalistin, die das Buch schreibt, akzeptieren den Entscheid dieser Verfügung nicht und ziehen ans Zuger Obergericht weiter. Der Entscheid steht noch aus.

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Warum unterstützt Fairmedia Jolanda Spiess-Hegglin?

  • Die Berichterstattung rund um Jolanda Spiess-Hegglin war ein jahrelanger Medienskandal, der seinesgleichen sucht. Fairmedia ist überzeugt, dass die Urteile im Fall Spiess-Hegglin helfen, unfaire und persönlichkeitsverletzende Berichterstattung in Zukunft zu vermeiden und die Medienqualität in der Schweiz zu erhöhen.
  • Leider erlebt Fairmedia immer wieder, dass Betroffene wegen einer Persönlichkeitsverletzung gegen ein Medium klagen wollen und sogar gute Erfolgschancen hätten. Weil sie es sich nicht leisten können oder davor zurückschrecken, wieder in der Öffentlichkeit zu stehen, verzichten viele Betroffene auf ein gerichtliches Verfahren. Bei einem schwerwiegenden Fall sollten jedoch nicht die finanziellen Möglichkeiten darüber entscheiden, ob es zu einem Verfahren kommt oder nicht.
  • Fairmedia begrüsst es, dass mit dem Fall Jolanda Spiess-Hegglin ein Präzedenzfall geschaffen wird. Denn es hat noch nie ein Gericht entschieden, wie der Gewinn eines Artikels berechnet wird. Bei der zivilrechtliche Klage um Gewinnherausgabe, die Jolanda Spiess-Hegglin gegen Ringier eingereicht hat, wird genau diese Frage behandelt werden.